Der Valentin Karlstadt Förderverein „Saubande“ ruft aus – und zwar nach Kuriositäten!
Ganz im Sinne von Karl Valentin und Liesl Karlstadt suchen wir schräge Einfälle, hintersinnige Gedankensprünge, feinsinnigen Nonsens und alles, was einem erst ein Lächeln und dann ein „Moment mal…!“ entlockt. Kurz gesagt: Wir suchen das, was valentinesk weitergedacht ist.
Was darf eingereicht werden? Eigentlich fast alles – solange es den Geist und Humor von Valentin & Karlstadt trifft:
Gebasteltes oder Gefundenes
Erlebte, erfundene oder aufgeschnappte Geschichten
Gemaltes, Fotografiertes oder Gezeichnetes
Gedankliche Verrenkungen jeder Art
Wenn Sie also etwas haben, bei dem man nicht weiß, ob es genial oder genial daneben ist – dann sind Sie vermutlich genau richtig.
So machen Sie mit
Ihre Bewerbung mit aussagekräftigen Fotos und/oder Beschreibung reichen Sie bitte ausschließlich über das Bewerbungsformular auf diesem Blog ein. Das Formular „Ihre Einreichung für Valentinesk weitergedacht“ ist ab dem 1. April freigeschaltet.
Einsendeschluss ist der 30. Juni 2026 – bis dahin dürfen die Köpfe rauchen (bitte ohne Feuerwehr-Einsatz).
Und was gibt’s zu gewinnen?
Nach Einsendeschluss wählt eine Jury die 10 kuriosesten, schrägsten, schönsten Beiträge aus. Bis Ende Juli benachrichtigen wir die glücklichen Finalistinnen und Finalisten. Diese 10 Beiträge werden am 18. Oktober 2026 um 10 Uhr bei unserer Matinee in der Drehleier präsentiert.
Die Kuriositäten können von den Einreichenden selbst oder von unserer Moderatorin vorgestellt werden – die Reihenfolge entscheidet das Los.
Wichtig: Für die Top 10 ist die persönliche Anwesenheit bei der Preisverleihung verpflichtend. Schließlich soll man ja sehen, wer für so viel Kuriosität verantwortlich ist.
Nach allen Präsentationen stimmt das Publikum ab und kürt die ersten drei Plätze:
3. Preis: 111 € 2. Preis: 222 € 1. Preis: 333 €
Zusätzlich erhalten die drei Erstplatzierten jeweils zwei Freikarten für die große Matinee der Saubande im November im Volkstheater, bei der ihre Kuriositäten noch einmal vor großem Publikum glänzen dürfen.
Und auch die Plätze 4–10 gehen nicht leer aus – es wartet ein Überraschungsgeschenk. Mitmachen lohnt sich also!
am 16.11.2025 um 11:01 Uhr im Münchner Volkstheater
Es war ein Fest, ein wunderbarer Saubandenvormittag im Volkstheater. Wir möchten uns auch auf diesem Wege ganz herzlich bei allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlerin bedanken, die die Matinée so großartig gestaltet haben. Ein großer Dank auch an unseren „Strukturhasen“ Caro Matzko für die lässig-humorvolle Moderation. Nächstes Jahr treffen wir uns wieder, versprochen.
Hier einige Impressionen mit Bildern von Felix Rinberger:
Es traten auf Hans Well & Wellbappn in neuer Formation mit Sarah, Komale und Hans, die messerscharfe Kabarettistin und Schauspielerin Christine Eixenberger, Maxjoseph,vier Musiker und jede Menge eigene, neue Volksmusik, TonBilderScherben, mit ihrer wunderbaren Begleitung des Oktoberfestfilmes von Karl Valentin Juliane Köhler, vielfach ausgezeichnete Schauspielerin und Ensemblemitglied des Residenztheaters mit ihrer beeindruckenden Lesung der beiden Texte “ Valentin und ich“ und „Wie ich fast erschossen worden wäre“ von Liesl Karlstadt und Kabarettist im Unruhestand Günter Grünwald, zum Glück für uns.
Mittlerweile darf man wohl schon von einer schönen Tradition sprechen: Bereits zum dritten Mal veranstaltete die Saubande in diesem Jahr ihren Kuriositäten-Wettbewerb unter dem Motto ‚Valentinesk weitergedacht‘. Die eingesendeten Beiträge waren erneut ein wahres Feuerwerk an Einfällen –skurril, überraschend, lustig und tiefsinnig.
Für 30 davon ging es dann in die nächste Runde: auf dem Blog konnte abgestimmt werden. Die zehn Beiträge mit den meisten Stimmen wurden nun bei der Matinée am 14. September 2025 in der Lach und Schießgesellschaft in München vorgestellt.
Mit Charme und einer ordentlichen Portion Humor führte die großartige Claudia Pichler durch den Vormittag und sorgte für beste Stimmung. Musikalisch untermalt wurde das Ganze wie gewohnt von Andreas Koll, der mit seiner wunderbar schrägen Musik den Beiträgen eine ganz besondere Würze verlieh. Vorgestellt wurde z. B. „Der Nagelhammer“ (ein Hammer an dem praktischerweise der Nagel gleich mit befestigt ist), „Die Pulverbrause“ (zum Duschen mit Brausepulver – sehr wassersparend) oder„Der bayuwarische Gedankenblitz (Wo alle dasselbe denken, wird nicht viel gedacht).
Und dann wurde es richtig aufregend! Das Publikum durfte abstimmen – und nach einem denkbar knappen Rennen standen die drei Gewinner fest:
3. Preis
Norbert Magherini
Ein schwieriges Telefonat
Rentner Fritz Renner greift zum Telefon und wählt die Nummer der Firma Hohlstein und Sand um mit seiner Frau, die dort beschäftigt ist, zu sprechen. Beim Anläuten ertönt der Anrufbeantworter: „Sie sind mit der Firma Hohlstein & Sand verbunden. Möchten Sie eine Bestellung aufgeben, so drücken Sie bitte die 1. Haben Sie Fragen zu einer bereits getätigten Bestellung oder zu einer Lieferung, dann drücken Sie bitte die 2.
Handelt es sich um Fragen zu einem Kostenvoranschlag oder zu einer Rechnung dann drücken Sie die bitte die 3. Für alle andren Fragen drücken Sie bitte die Taste 4.“ Rentner Fritz drückt die Taste 4.
Folgende Dialog zwischen der Angestellten der Firma Hohlstein & Sand Sybille Tiefenthaler (1), dem Rentner Fritz Renner (2) und der Ehefrau Ludmilla Renner (3) entsteht:
• 1: Sie sprechen mit Sybille Tiefenthaler Hohlstein & Sand, was kann ich für Sie tun?
• 2: Ja, Grüß Gott – ich hätte gerne meine Frau gesprochen.
• 1: Welche Frau denn und wer sind Sie überhaupt?
• 2: Ja, ich bin´s der Fritz und ich würde gerne meine Frau sprechen – wissen´s wegen unserer Tochter, der Margot.
• 1: Da sind Sie bestimmt falsch verbunden. In unserer Abteilung gibt es keine Tochter Margot und schon gar nicht eine Frau Fritz.
• 2: Wieso Frau Fritz? Meine Frau heißt nicht Fritz und überhaupt gibt es keine anderen Frauen die Fritz heißen.
• 1: Ach Ihre Frau heißt gar nicht Fritz? Ich dachte, das wäre ihr Nachname.
• 2: Völlig absurd!
• 1: Das ist gar nicht absurd. Das gibt es bestimmt, dass eine Frau mit Nachnamen Fritz heißt.
• 2: Das kann schon sein, aber meine Frau heißt Ludmilla.
• 1: Ach, Sie meinen Ludmilla Renner. Warum sagen Sie das nicht gleich. Moment, ich verbinde.
Im Büro der Lagerverwaltung sitzt Frau Ludmilla Renner.
• 3: Firma Hohlstein & Sand, Sie sprechen mit Ludmilla Renner.
• 2: Hallo ich bin´s.
• 3: So, so Fritz. Hast du wieder ein Problem?
• 2: Nein, einen Hunger.
• 3: Dann musst du was essen und nicht telefonieren.
• 2: Aber Frau, ich rufe an, damit ich dann weiß, wie viele Kartoffeln ich zum Spargel zum Abendessen kochen soll.
• 3: Fritz, was ist denn das für eine Frage.
• 2: Eine einfache.
• 3: Gut, dann koche zwei Pfund Kartoffeln zum Spargel, das reicht locker für uns zwei.
2: Und wenn wir aber zu dritt sind?
• 3: Dann halt drei Pfund. Wieso? Wer kommt denn zu uns zum Essen?
• 2: Vielleicht die Margot.
• 3: Ach, das ist aber schön. Sie war bestimmt schon zwei Monate nicht mehr bei uns. Was hast du denn mit ihr ausgemacht?
• 2: Nichts.
• 3: Wie, nichts? Wie kommst du denn dann darauf, dass unsere Tochter heute Abend zum Essen kommt?
• 2: Ja, weil sie halt schon so lange nicht mehr bei uns war. Anders wäre es, wenn sie gestern bei uns gewesen wäre, dann hätte ich dich gar nicht angerufen, dann hätte ich ja schon gewusst, dass sie heute nicht kommt.
• 3: Fritz, jetzt koch einfach zwei Pfund Kartoffeln – und gut ist´s.
• 2: Aber Frau, und wenn die Margot dann doch kommt? Dann haben wir zu wenig zum Essen. Und dann kommt sie wieder erst in zwei Monaten. Oder bleibt gar länger weg, weil sie ja bei uns nicht satt wird.
• 3: Jetzt sag net imma Frau zu mir. Ich hab auch einen Namen. Ich sag ja auch nicht immer Mann zu dir.
• 2: Das kannst schon machen. Ich weiß ja selbst, dass ich Fritz heiße.
Das musst du nicht immer wiederholen.
• 3: Jetzt ist aber genug. Hast du dich jetzt entschieden, wie viele Kartoffeln du kochen willst?
• 2: Ja, ein Pfund Spaghetti.
2. Preis
Wolfgang Lauter
Osterlamm
1. Preis
Xabier Aurtenetxe
Leseratte
Ein Wort in seiner wörtlichsten Form zu nehmen und es in den Bereich des Absurden zu bringen, scheint mir im Einklang mit dem valentinesken Geist zu stehen.
VON LESERATTEN UND ANDEREN BÜCHERFRESSERN
Zuallererst möchte ich zwischen zwei Begriffe unterscheiden, die oft verwechselt werden, obwohl sie zwei sehr unterschiedliche Realitäten verkörpern. Wenn man jemand anderen als „Bücherwurm“ nennt, ist das ein giftiges Kompliment. Und es hat dabei immer einen abwertenden Ton. Wie die meisten Irrsinniger leben auch dem Bücherwurme in ihrer eigenen Welt. Sie müssen nicht unbedingt die Bücher lesen, aber Bücher unterstutzen und schützen sie wie ein Panzer. Es gibt eine relativ reichhaltige Literatur über diese zoologischen Entitäten, die in Bücher leben. Die meisten von ihnen gehören zur Kategorie der Insekten, deren ungezügeltes Sexualleben, von rastlosen Holzwurmen über das ausschweifenden Silberfischen bis hin zur turbulenten Bettwanze, ein eigener Vortrag verdient. Der Bücherwurm ist frei von Moral. Er kennt weder Freunde noch Feinde. Er stürzt sich auf alles, was ihm unterkommt. Und hier kommt die Metonymie ins Spiel. Denn der menschliche Bucherwurm ist auch jemand, der weder Freunde noch Feinde kennt. Er braucht unbedingt aller Bucher. Er sammelt Bücher als Ersatz für erotische Befriedigung. Nein, auf den ersten Blick scheint der Bücherwurm nicht besonderes sympathisch zu sein. Zumindest nicht in dem Bild, das Carl Spitzberg 1850 in vier verschiedene Versionen von ihm malte und das bis heute unsere Wahrnehmung von ihm prägt: er ist natürlich ein ergrauter, gebeugter alter Mann, der wohl nicht sehr fit ist, weil er sein ganzes Leben in irgendein Buch verbracht hat.
In Gegensatz von Bücherwurm, der Begriff „Leseratte“ schwingt nicht ein so sehr abwertender Unterton mit, selbst wenn eine Ratte in ihm haust. Die Leseratte zwar kann gierig lesen, ist aber kein Unsinniger, die in seiner ganz eigenen Welt lebt. Mit seinen wachen Augen interessierte er sich vielmehr für alles um sich herum, wie der römische Pädagoge Lucius Alexander Polyhistor. Heute, wo die Ideologie der Nützlichkeit regiert und nur kurz und bündige Informationen berücksichtich werden, wollte ich die Leseratte Tribut zollen. Eine Ratte, die wie besessen ein Langenscheidt Lexikon -al Inbegriff des Wissens- meines Geburtsjahres 1953 gierig frisst. Mit dieser Arbeit flüchte ich aber vor der Metonymie. Der Begriff ‚Leseratte‘ wird nicht von Tier auf den Menschen übertragen, sondert wörtlich genommen im Geist der valentineske Methode, die sie die Sprache bis zum Exzess, fast krampfhaft zerlegt, um absichtlich in ihrer Mehrdeutlichkeit und ihren Widersprüchen zu verheddern. Seinem Geist folgend, versuche ich die Sprache als Instrument unseres Denkens zu demontieren und somit die soziale Ordnung in Frage zu stellen, so dass nichts sicher und alles möglich ist; die je nach unserem momentanen Gemütszustand befreiend oder destabilisierend sein kann.
Xabier Aurtenetxe
Es war ein rundum besonderer Vormittag – voller Humor und spannender Momente. Eines steht fest: Das hat sich gelohnt und macht definitiv Lust auf mehr! Und die gute Nachricht gleich dazu: Auch 2026 wird die Saubande ihren Kuriositäten-Preis ‚Valentinesk weitergedacht‘ ausloben. Also: schon mal anfangen, valentinesk nach- und weiterzudenken…
Foto: Valentin Karlstadt Musäum
Dabei waren diesmal mit ihren Beiträgen: Reiner Borner, Wolfgang Lauter, Xabier Aurtenetxe, Norbert Magherini, Rena Österreicher, Matthias Weigold, Nikolaus Högel, Dietmar Nickel und Stefan Pillokat für die Herren RigoL & tOrF. Moderation Claudia Pichler, Musik Andreas Koll
Fesch sehen die beiden aus, denn das haben sie gelernt: Egal, wo man wohnt, der Hut muss sitzen, die Kappe und die Zigarre müssen schneidig aussehen, hier in München. Das Isartor als Heimat ist brandgefährlich geworden, für Leib und Leben und alles, was dazu gehört. Um Asyl zu bitten ist heikel in diesen politischen Zeiten, also bleiben Karl Valentin und Liesl Karlstadt lieber am Isartor und freuen sich über alle, die vorbeischauen. Humor erfreut auch auf der Straße.
Nachdem das Valentin-Karlstadt-Musäum im Isartor noch bis Frühjahr 2026 wegen einer Brandschutzsanierung geschlossen ist, sind Karl Valentin und Liesl Karlstadt kurzfristig heimatlos geworden. Mit der neuen Außenausstellung „Valentin & Karlstadt: Heimatlos“ präsentieren die beiden nun vor dem Isartor ihre große Kunst und den Weg dorthin. Auch unter freiem Himmel schrecken sie vor nichts zurück. Sie werfen einen sehr persönlichen Blick auf den Umstand heimatlos, fremd, anders zu sein.
Direkt am Isartor. Bei Tag und Nacht, Nebel und Sonnenschein geöffnet.
Kuratorenführung mit Andi Koll an jedem letzten Dienstag im Monat um 17:30 Uhr (29.7./26.8./30.9./28.10.)