Die Orchesterprobe oder wie aus mir ein Kapellmeister wird

Von Bele Turba

Karl Valentin wurde einmal gefragt, warum er sich immer Nasen ins Gesicht klebt und Perücken aufsetzt, wenn er auf die Bühne geht. Er antwortete: „Ich möchte nicht, dass mich Bekannte erkennen.“ Auch Liesl Karlstadt an seiner Seite war oft bis zur Unkenntlichkeit maskiert, z. B. als Kapellmeister im Stück „Die Orchesterprobe“. Jetzt kann ich nach ca. 250 Auftritten in Kostüm und Maske des Kapellmeisters in eben jenem Stück nachfühlen, welche Besonderheiten es hat, so völlig entstellt auf die Bühne zu gehen.

Aus meiner Sicht bietet eine solche Veränderung eine ungeheure Möglichkeit sich in der Rolle auszuleben, sozusagen mit der Maske den Schalter umzulegen und einzutauchen in den anderen Menschen, in diesem Fall den Mann, der da plötzlich im Spiegel auftaucht. An dieser Stelle sei gesagt, dass es für mich als Frau einen besonderen Reiz hat einen Mann zu spielen, die weibliche Zurückhaltung, das Harmoniebedürfnis und das hübsch sein wollen/sollen, hat hier einmal Pause. Beglückend und befreiend zugleich. Und wenn ich nach der Vorstellung die Garderobe verlasse, kann ich mich völlig inkognito unters Volk mischen. Manchmal ganz interessant die Gespräche des Publikums mitzuhören…

Zur Verdeutlichung eine kleine Anekdote: Zum Start des Valentin Karlstadt Theaters haben wir ein Werbevideo produzieren lassen, bei dem ein Ausschnitt aus der Orchesterprobe zu sehen war. Als ich dies meiner Mutter gezeigt habe, sagte sie: „Ja, das ist ja sehr schön, aber wo kommst du da vor?“ Ein bisschen was muss natürlich getan werden um eine solche Metamorphose hervorzurufen und wie das genau geht, möchte ich einmal zeigen:

So sehe ich eigentlich aus, ohne Zweifel eine Frau…
Als erstes müssen alle Haare „geschneckelt“ werden, hierzu nimmt man einzelne Strähnen und rollt sie zusammen, dann werden sie festgesteckt.
Das macht man damit die Haare unter der Perücke möglichst flach auf dem Kopf aufliegen und somit nicht zu sehen sind.
Dann kommt noch ein Perückenband drüber, an dem dann später die Perücke festgesteckt wird. Jetzt abschminken, klingt komisch ist aber so. Das weibliche Makeup mit Wimperntusche ect. hat hier nichtsverloren…
Und hier kommt die Nase, die wird wie auch dann die Bärte mit einem speziellen Kleber, dem Mastix festgeklebt. Das ist nicht wirklich angenehm, riecht auch ziemlich intensiv und geht schwer wieder ab. Aber mei, hätt ich was gscheits gelernt… Dann kommen
Dann kommen die Bärte dran, gleicher Kleber, gleicher Gestank…
Und jetzt noch etwas Schminke: Augenbrauen könnte man auch kleben, ist aber eine Fitzelei… Augenringe malen, mal mehr mal weniger, je nachdem was bei mir am Vorabend los war und Falten schminken (muss ich jedes Jahr weniger machen)
Jetzt die Perücke mit Haarnadeln feststecken, muss ja halten bei all der Rumspringerei auf der Bühne
Brille, Gehrock, Micro…
…und raus auf die Bühne

Weitere Masken gibt es beim Stück „Der Theaterbesuch und andere Katastrophen“ am Samstag den 20. April 2019 im Deutschen Theater zu sehen!
als Lehrling in „Der verhexte Scheinwerfer“
auch mal als Frau in „Der Theaterbesuch“ als Firmling